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So war mein erster Wettkampf
Das bin ich:
Hallo, ich heiße Michael und bin 8 Jahre alt. Ich habe den weiß-gelben Gürtel, gehe aber schon in die Prüfungsvorbereitung am Samstag. Bei der nächsten Prüfung möchte ich den gelben Gürtel machen.
Anmeldung:
Ich war vor zwei Wochen zum ersten Mal auf einem Wettkampf. Da habe ich vielleicht Sachen erlebt! Du möchtest wissen was? Dann lese weiter, ich erzähle es Dir.
Angefangen hat alles ungefähr vor einem Monat. Mein Trainer hat vor Beginn der Stunde verkündet, das ein Wettkampf in einem anderen Verein stattfindet. Mein Freund Tim hat sich gleich einen Anmeldezettel geben lassen und mich gedrängt auch einen zu holen. Ich wollte eigentlich gar nicht so richtig... na ja, vielleicht hatte ich auch einfach etwas Angst. Der Trainer hat dann aber gesagt, das man nicht unbedingt teilnehmen muss, auch wenn man einen Zettel geholt hat. Da hab ich dann auch einen mit nach Hause genommen.
Meine Mutter hat ihn dann unterschrieben und ich habe den Teil mit der Unterschrift in der nächsten Judostunde abgegeben. Bis zum Wettkampftag ist dann wenig passiert.
Der Wettkampf fand an einem Sonntag statt, meine Mutter konnte also mitfahren. Auf dem Anmeldezettel stand "Wiegebeginn um 9:30 Uhr". Mein Trainer hatte den Kindern, die teilnehmen wollen, vorher gesagt, dass wir uns um 8:30 Uhr an der Bushaltestelle vor unserer Halle treffen.
Die Fahrt:
Meine Mutter und ich waren pünktlich da. Ich war sehr aufgeregt. Tim war noch nicht da!! Wir wollten um 8:40 Uhr losfahren. Wo bleibt er nur? Der Betreuer hatte schon unsere Judopässe eingesammelt und gefragt ob bei uns noch Plätze im Auto frei sind. Nicht alle Eltern fahren nämlich mit auf die Wettkämpfe. Wir haben noch zwei andere Kinder mitgenommen.
Als es dann ans Losfahren ging hab ich mal nachgefragt und erfahren, dass Tim krank ist!! Das war ein Schock! Ich hatte überhaupt keine Lust mehr mitzufahren. Meine Mutter hat aber nicht lange diskutiert und hat mich ins Auto gesteckt. Sie ist dann dem Trainer bis zum Wettkampfort nachgefahren. Unterwegs habe ich mich mit den anderen Kindern unterhalten und gemerkt, dass sie auch ein bißchen unruhig und nervös waren. Ich kannte sie noch nicht, weil sie aus einer anderen Gruppe waren. Sie hießen Phillipp und Mareike und hatten beide den gelben Gürtel.
Die Halle:
Wir sind eine viertel Stunde zu früh angekommen. In der Halle war aber schon einiges los. Ich habe noch nie vorher so viele Judoka auf einem Haufen gesehen, und alle waren etwa in meinem Alter. Da waren Gelb-Gurte, Gelb-Orange-Gurte und sogar ein paar Kinder mit orangenem Gürtel. Mir war etwas mulmig zumute, weil ich vielleicht gegen die zu kämpfen hatte.
Die Judomatte war riesig. Es waren 3 Kreise rote Matten als Wettkampfflächen ausgelegt. Wir suchten uns einen Platz auf der Tribune, wo wir unsere Sachen hinlegen konnten und sind uns umziehen gegangen. Auf der zur Tribune gegenüberliegenden Seite der Halle waren hinter jeder Wettkampffläche ein paar Tische aufgestellt, auf denen die Bewertungstafeln standen.Das waren die Kampfrichtertische. Ich fragte meinen Trainer, was die komischen Worte auf den Tafeln bedeuteten. Er erklärte mir, dass auf diesen Tafeln die schon erreichten Punkte der Kämpfer angezeigt werden. Je nachdem wie gut ein Wurf gelungen ist oder wie lange man einen Haltegriff gehalten hat, bekommt man unterschiedliche Wertungen. Die kleinste Wertung ist der Koka, dann kommt Yuko und Waza-ari. Die höchste Wertung ist ein Ippon. Er wird nicht auf der Tafel angezeigt, weil man den Kampf dann sowieso gewonnen hat.
Wiegen:
Unser Trainer hat uns dann angemeldet und die Wiegekarten mitgebracht. Mit dieser Karte und meinem Judopass bin ich dann mit Philipp zum Wiegen gegangen. Wir sind einfach den Schildern nachgegangen. Philipp erzählte mir, dass er schon mal Jacke und Hose ausgezogen hat, um noch in eine niedrigere Gewichtsklasse zu kommen. Nach dem Wiegen habe wir uns mit den anderen Kämpfern auf der Matte aufgewärmt. Das gemeinsame Angrüßen musste bei so vielen Leuten im Stehen stattfinden. Während des Aufwärmens sind die Kampflisten geschrieben und ausgehängt worden. In meiner Gewichtsklasse waren es 6 Kämpfer, Philipp hatte sogar 8 Gegner.
Die Kämpfe:
Danach haben auch schon die Wettkämpfe begonnen. Auf den Wettkampfflächen wurde vorgelesen, welche Gewichtsklassen zuerst kämpfen sollten. Philipp war schon bei der ersten Gruppe dran. Ich setzte mich mit dem Trainer an den Mattenrand. Philipp hatte den dritten Kampf auf dieser Matte. Weil er zuerst aufgerufen wurde, zog er sich den roten Gürtel an und stellte sich auf die Seite, wo der Gürtel gelegen hatte. Als der Kampf beginnen sollte, stellte er sich außerhalb des roten Kreises auf. Der Kampfrichter forderte Philipp und seinen Gegner (auch ein Gelbgurt) auf, die rote Wettkampffläche zu betreten. Beide gingen einen großen Schritt in den roten Kreis und verbeugten sich voreinander. Der Kampfrichter eröffnete den Kampf mit einem japanischen Wort, das ich schon aus dem Training kannte: Hajime!!!
Philipp und der andere Gelbgurt kämpften bis Philipp es schaffte, einen Haltegriff 25 Sekunden lang zu halten. Damit hatte Philipp den ersten Kampf gewonnen. Nach dem Abgrüßen ging er zum Kampfrichtertisch und sagte seinen Namen.
Philipp musste noch drei mal kämpfen. Bis auf den letzten gewann er alle seine Kämpfe. Wir waren sehr stolz auf ihn.
Nach einer Weile wurde meine Gewichtsklasse aufgerufen. Ich kämpfte auf der mittleren Matte. Ganz aufgeregt sah ich mir die ersten Kämpfe an. Schließlich waren diese Judoka mögliche Gegner von mir. Dann war es so weit!!!
Der Listenführer sagte: Auf Matte zwei bereiten sich vor: Michael ... vom Judoclub Gelnhausen und Daniel ... vom JC Rodgau.
Als der laufende Kampf zu Ende war, wurde ich erneut aufgerufen. Ich lief auf die Matte und band mir den roten Gürtel um. Mein Trainer saß an der Matte. Ich war so aufgeregt, daß ich es nicht gleich geschafft habe und nochmal anfangen musste, ihn zu binden. Das war aber nicht schlimm, der Kampfrichter wartete auf mich. Dann blickte ich hoch und sah meinen Gegner ... . Ein Gelbgurt. Größer als ich. Der Kampf begann. Am Mattenrand brüllten der andere Trainer und ein paar Eltern, so dass es sehr laut war.
Wir fassten uns an und versuchten beide O-Soto-Otoshi zu werfen. Mir gelang es, den anderen zu werfen und ich bekam vom Kampfrichter die Bewertung Yuko. Ich machte sofort einen Haltegriff. Da sagte der Kampfrichter Osae-komi. Ich dachte, der Kampf wäre zu Ende und ließ meinen Gegener los. Ich hörte meinen Trainer noch rufen: Nicht loslassen!, aber es war zu spät. Der Gelbgurt drehte sich um und hielt mich fest. Ich versuchte mich zu befreien, aber nach einer Zeit hörte ich einen Gong und der Kampfrichter rief: Matte! Mein Gegner hatte gewonnen.
Ich war sehr enttäuscht. Mein Trainer und meine Mutter trösteten mich und erzählten mir, dass fast jeder seinen ersten Kampf verliert. Mein Trainer erklärte mir, dass Osae-komi nur Haltegriff bedeudet und ein Zeichen für die Leute am Kampfrichtertisch ist.
Bei meinem zweiten Kampf hatte ich einen Weiß-gelb-Gurt als Gegner. Zuerst schaffte er es, mich zu werfen und bekam dafür einen Koka. Doch dann setzte ich einen O-goshi an und warf ihn auf den Rücken. Der Kampfrichter rief Ippon, Mathe, Soe-made. Ich ließ mich diesmal davon nicht beirren und hielt einen Kesa-gatame fest. Der Kampfrichter tippte mir an die Schulter, und sagte: Du kannst loslassen, du hast gewonnen.
Bei meinem letzten Kampf hatte mein Gegner schon einen gelb-orangenen Gürtel. Ich dachte, den könnte ich nie besiegen, aber trotzdem versuchte ich mein Bestes.
Ich schaffte zwei Kokas, doch mein Gegner hatte schon einen Waza-ari. Wir hatten schon sehr lange gekämpft und ich war außer Atem. Doch ich nahm mich zusammen und setzte einen Koshi-guruma an, den ich in der Prüfungsvorbereitung gelernt hatte. Mein Gegner wollte blocken, aber ich zog den Wurf durch. Dafür bekam ich auch einen Waza-ari. Wir kämpften noch einmal kurz im Boden, da hörte ich wieder den Gong. Die Kampfzeit war zu Ende und ich hatte gewonnen, weil ich mehr Punkte hatte.
Alle beglückwünschten mich und ich war auch sehr stolz, dass ich den Gelb-orange-Gurt besiegt hatte.
Jetzt mussten wir noch auf Mareike warten. Die Mädchen kamen ganz zum Schluß. Mareike musste nur zwei mal kämpfen, weil in ihrer Gewichtsklasse nur drei Mädchen waren. Sie gewann alle Kämpfe.
Siegerehrung:
Endlich kamen wir zur Siegerehrung. Philipp hatte den zweiten Platz, Mareike den ersten. Ich hatte mir den dritten Platz erkämpft und bekam wie die anderen eine Urkunde und eine Medaille. Nach dem Umziehen fuhren wir nach Hause.
Ich kann euch wirklich empfehlen, selber mal auf einen Wettkampf zu gehen. Ich habe seitdem noch oft gekämpft und es hat mir immer sehr viel Spaß gemacht.